Thasische Tetradrachmen und die Balkankriege im ersten Jahrhundert v. Chr. |
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OLIVIER PICARD Thasische Tetradrachmen und die Balkankriege im ersten Jahrhundert v. Chr.
Kriegskosten und Kriegsfinanzierung: Der Tagungstitel wirft eine berechtigte Frage auf. Die erste Schwierigkeit, mit der zeitgenössische Kriegsherren und heutige Historiker konfrontiert sind, war die der Finanzierung. Ich möchte das Thema aus einem anderen Blickwinkel angehen, indem ich nicht vom Krieg, sondern von den Münzen ausgehe und untersuche, wie eine Analyse der Besonderheiten dieser Münzen unsere Kenntnis von sehr schlecht überlieferten Kriegen erweitern kann.
Die Münzen
Bei den hier untersuchten Münzen handelt es sich um thasische Tetradrachmen auf einem breiten Schrötling, die auf dem Avers den efeubekränzten Kopf des jugendlichen Dionysos tragen und auf dem Revers den namentlich bezeichneten Herakles Soter in Dreiviertelansicht nach links stehend, die rechte Hand auf der Keule und ein Löwenfell über der Schulter (Abb. 1–2). Diese zwei Götter, die als Beschützer (φυλακοί) der Stadt deren Tor hüten, gehören seit dem 4. Jahrhundert zur thasischen Münztradition und um diese zu verstehen, muss man die neueren Münzen mit denen des 4. Jahrhunderts vergleichen. Sie zeigen die gleichen Götter, aber Dionysos erscheint alt und bärtig, während Herakles, der ebenfalls älter als im 2. Jahrhundert und bärtig dargestellt ist, mit dem Bogen schießt (Abb. 3).
Abb. 1: Thasisches Tetradrachmon (ca. 175–170 v. Chr.)
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Abb. 2: Thasisches Tetradrachmon (ca. 175–170 v. Chr.)
Abb. 3: Thasisches Tetradrachmon (ca. 360–340 v. Chr.)
Die Prägung der neuen Typen beginnt kurz vor dem Dritten Makedonischen Krieg, um 175–170 v. Chr., wie zwei Schatzfunde beweisen, die zur gleichen Zeit – am Ende des Krieges – vergraben wurden.1 Die Lage der zwei Orte ist im Zusammenhang mit den Bewegungen der römischen Armee zwischen dem Operationsgebiet und der adriatischen Küste zu sehen. Die thasischen Stücke sind in den zwei Schätzen sehr schwach vertreten, doch sie reichen aus, um uns über das Engagement von Thasos in diesem Krieg auf Seiten Roms Auskunft zu geben.2 Die Tetradrachmen der 170er Jahre, die von einigen Drachmen begleitet werden, sind von sehr gutem Stil: Der Kopf ist schön rund und der relativ kleine Efeukranz lässt den oberen Teil der Schädelkalotte frei. Die ersten Emissionen unterscheiden sich stark von der großen Masse der Münzen dieses Typs (Abb. 4–7). Lange Zeit haben Historiker und Numismatiker keine Unterschiede innerhalb der Münzserie gesehen und die gesamte Prägung als Ausdruck der "wirtschaftlichen Expansion des Stadt"3 und ihrer wirtschaftlicher Aktivität interpretiert. Aber trotz der Kontinuität der Typen tragen mehrere
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Kriterien dazu bei, die thasische Produktion in zwei deutlich verschiedene Gruppen zu unterteilen: der Stil, das Verbreitungsgebiet und die Datierung. Auf der großen Masse der Stücke nimmt die Drehung der Haare, die von der Schläfe an zusammengefasst sind und einen über dem Nacken hochgesteckten Kranz bilden, eine zunehmende Bedeutung ein. Vor allem die herzförmigen Efeublätter des Kranzes sind mehr und mehr betont und bedecken den gesamten Kopf, ohne vom oberen Teil des Kopfes mehr als in paar Haare sehen zu lassen. Der Wechsel von einem Stil zum anderen geschieht deutlich, ohne Übergang. Mehrere neue Stücke zeigen eine sehr ausgewogene Komposition, eine Darstellung, die vom Götterkopf beherrscht wird und, selbst wenn ihr Erscheinungsbild "spät" sein kann, das Werk von meisterhaften Künstlern ist. Andere zeugen von einer geringeren Sorgfalt und Qualität; aber ähnliche Phänomene kann man auch in hervorragenden Werkstätten feststellen. Dagegen sind bestimmte Stücke, bei denen die Legende – zwar in gleicher Anordnung, einschließlich des Ethnikon – auf eine Reihe von Punkten ohne Bedeutung reduziert ist, und bei denen die Bildtypen wie Karikaturen erscheinen, sehr früh als "barbarische Imitationen" angesehen worden (Abb. 8).
Abb. 4: Tetradrachmon thasischen Typs (ca. 110–90 v. Chr.)
Abb. 5: Tetradrachmen thasischen Typs (ca. 110–90 v. Chr.)
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Abb. 6: Tetradrachmen thasischen Typs (ca. 110–90 v. Chr.)
Abb. 7: Tetradrachmon thasischen Typs (110–90 v. Chr.)
Abb. 8: Imitation eines Tetradrachmons thasischen Typs
Seit Beginn dieser Münzprägung ist die Kontrolle der Silber- und der zeitgleichen Bronzegeldprägung verschiedenen Verantwortlichen anvertraut worden. Die ersten Tetradrachmen tragen auf dem Revers das Monogramm , das vermutlich eine Kontrollmarke darstellt. Die jüngeren Stücke sind von einem Μ begleitet, vom Monogramm (das manchmal schwer von einem einfachen M zu unterscheiden ist), oder
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seltener von einem (das als ΗΡΟΔΟΤ... gedeutet werden kann). Keines dieser Monogramme findet sich auf den Bronzemünzen, aber vor allem können einige dieser Zeichen, die sich auf Dutzenden von Stempeln finden und mit sehr unterschiedlichen Stilen verbunden sind, anscheinend nicht als gewöhnliche Kontrollmarken interpretiert werden. Ihre Funktion bleibt uns verborgen. Bis auf einige Fälle erscheint regelmäßig das Ethnikon ΘΑΣΙΩΝ und, im Unterschied zu anderen Imitationsgruppen wie die meisten Nachahmungen rhodischer Stücke,4 nichts erlaubt eine Unterscheidung zwischen einer "thasischen" Produktion und einer Imitation. Der Reverstyp Herakles mit der Keule findet sich auf kaiserzeitlichen Bronzen wieder. Die barbarischen Kopien und die qualitätvollen Stücke liefen gemeinsam in den gleichen Regionen um und sind in den gleichen Schätzen gehortet, zusammen mit „Zwischenstücken“, die man ebenso als Imitationen einstufen könnte. Lange Zeit hat man alle Stücke, die nicht dem "barbarischen Stil" angehören, als thasisch angesehen: Dies ist noch die Meinung von G. Le Rider in seiner Darstellung von 1968.5 Aber 1985 schrieb M. Crawford, dass er nach einer persönlichen Untersuchung keinen Zweifel habe, dass "virtually all the … Thasian issues in these hoards [of Bulgaria and Romania] are local imitations".6 Diese Aussage ist zweifellos übertrieben, denn es würden nicht viele thasische Stücke übrigbleiben, die als Modell für diese Imitationen dienen könnten. Allerdings folgte die Forschung dem von Crawford gegebenen Anstoß und in Coin Hoards IX7 setzt A. Meadows den Namen Thasos in Anführungszeichen oder spricht bei Stücken, die er nicht gesehen hat, von Imitationen, was für ihn mit einschließt, dass die Hauptmasse des Materials nicht original thasisch ist. Wie ich festgestellt habe, erlaubt der Stil keine Unterscheidung zwischen den Stücken, die sicher nicht aus der Stadt stammen und den anderen, deren Qualität nicht erlaubt, sie a priori der Stadt abzusprechen. Der Übergang von den einen zu den anderen vollzog sich schrittweise und ohne merkliche Zäsuren im Gesamtmaterial, das unbestreitbar sehr homogen ist. Es muss also ein anderes Kriterium geben, das es erlaubt, von einer Imitationsprägung zu sprechen, nämlich deren Verbreitungsgebiet. Die beiden Schatzfunde, die Stücke der ersten Emission enthalten – die unzweifelhaft aus Thasos stammt – sind im Westen der griechischen Halbinsel gefunden worden. Keiner der 340 Schatzfunde mit den neueren Prägungen stammt aus Griechenland, sieht man von einer oder zwei Ausnahmen in Makedonien ab. Ein einziges Stück ist in Thasos selbst gefunden worden. Die südlichsten Funde beginnen in der Gegend von Drama und in Didymoteichos, also in Thrakien. Von der Südseite der Rhodopen und vom unteren Hebrostal an findet man davon eine große Anzahl in beinahe allen thrakischen Gebieten bis zu den Geten des unteren Donautals und jenseits der Karpaten bis nach Transsylvanien und zur Moldau. Zahlreiche dieser Funde wurden zerstreut, bevor sie untersucht werden konnten, aber die Analyse des veröffentlichten Materials zeigt, dass es kaum möglich ist, anhand der Fundverteilung eine klare Unterscheidung zwischen qualitätvollen Stücken und solchen lokalen Stils zu treffen. Es handelte sich um Bargeld, das als solches in der gesamten Region kursierte. Ich werde zukünftig von "Tetradrachmen thasischen Typs" sprechen, indem ich den von I. Prokopov in seinem neuen Buch über "die Tetradrach-
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men thasischen Typs" verwendeten Ausdruck benutze.8 Aber ich werde ihm einen etwas anderen Sinn geben, da ich nicht glaube, dass man noch von einer "Silberprägung" der Insel Thasos sprechen kann. Um das Phänomen zu interpretieren, empfiehlt es sich, die Chronologie zu präsisieren. Die Numismatiker waren sich sehr schnell einig, das Ende der Prägungen in die ersten Jahre des 1. Jahrhunderts v. Chr. zu legen,9 genauer: zu einem Zeitpunkt des Ersten Mithridatischen Krieges, als sich Thasos durch seinen mutigen Widerstand gegen die pontische Armee hervorgetan hat. Einige Schatzfunde (insbesondere IGCH 659 und 975) lassen sich durch die darin enthaltenen Denare der Römischen Republik nach 64 und nach 44 datieren, aber sie enthalten Prägungen, die schon lange vorher geprägt wurden, und die thasischen Exemplare müssen älter als die Denare sein. Ihr Beginn blieb lange im Dunkeln. Auch war man lange Zeit, als die erste Emission noch nicht deutlich separiert wurde (durch die Schatzfunde von 168), mehr oder weniger stillschweigend der Meinung, dass es eine Kontinuität in den Emissionen der Stadt geben musste und folglich, dass diese Münzen seit dem Jahr 148, das man damals als Beginn der Serie festlegte, geprägt wurden. Aber nach und nach zeigte die Entwicklung der im Inventory of Greek Coin Hoards, später in den aufeinanderfolgenden Lieferungen der Coin Hoards vorgeschlagenen Datierungen, einschließlich der verstreuten Schatzfunde, deren Stücke nie der Wissenschaft zu Gesicht kamen,10 dass die Numismatiker von einer ungefähren Datierung in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. und am Beginn des 1. Jahrhunderts zu einer viel engeren Chronologie übergingen, die erst in den letzten Jahren des 2. Jahrhunderts beginnt. Wir verfügen nur über wenige Indizien, denn zahlreiche Schatzfunde sind zerstreut, andere umfassen nur Stücke des thasischen Typs, und die Prägungen, mit denen sie gemeinsam verborgen wurden, sind selbst schlecht datierbar. Aber wenn wir Indizien haben, weisen sie alle in dieselbe Richtung. So hat Fr. de Callataÿ eine gewisse Anzahl von Überprägungen von Tetradrachmen thasischen Typs durch späte Alexandreier von Städten des Schwarzmeergebiets veröffentlicht. Die Münzen, mit denen sie gemeinsam verborgen wurden, datieren vom 1. Jahrhundert v. Chr.: Dies trifft auch für die römischen Denare oder die Drachmen aus Apollonia und Dyrrachion zu, die nicht vor den Jahren 120–110 in diese Gegend kamen, wie wir haben zeigen können.11 Der Schatzfund von Edirne (IGCH 971), der Tetradrachmen von Alexandria/Troas, Prusias II., Nikomedes von Bithynien und späte Lysimacheier von Byzanz enthält, ist um 85 v. Chr. vergraben worden. Wir werden sehen, dass eine Emission thasischen Typs von einem römischen Magistraten geschlagen wurde, der in den Jahren 93–87 amtierte. Diese Daten geben uns den chronologischen Rahmen, während dessen unseres Erachtens die Gesamtheit dieser Münzprägung geschlagen wurde. Es ist festzuhalten, dass diese umfangreiche Produktion nur eine sehr kurze Zeit angedauert hat und dass ihre Kürze im starken Gegensatz zum bemerkenswerten Volumen der Emissionen steht.12 Diese Feststellung führt zur Frage nach der Herkunft des Metalls. Wenn Thasos in der Vergangenheit jahrhundertelang für seinen Reichtum aus seinen Silberminen bekannt war,13 muss man unterstreichen, dass die Silberprägung der
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Stadt nach 463 nie wieder den Umfang hatte, der vorher durch die Ausbeutung der Lagerstätten möglich war, auf welche die Stadt damals Zugriff hatte und die im 4. Jahrhundert zurückgingen, um im 3. Jahrhundert ganz zu versiegen. Die wenigen Emissionen des 3. Jahrhunderts sind von untergeordneter Bedeutung. Seit den 360er Jahren besteht das gewöhnliche Bargeld der Stadt aus Bronze. Es ist ausgeschlossen, dass diese immensen Prägungen des thasischen Typs aus Bergwerken, die die Stadt kontrollierte, gespeist wurden.
Die thrakischen Kriege
Die Münzprägung des thasischen Typs stellt zwar eine umfangreiche Produktion dar, aber sie ist auf einen Zeitraum von ungefähr 20 Jahren begrenzt und war nur in einem ganz fest umrissenen Bereich in Gebrauch, dem Gebiet der Thraker. Nun wird aber genau in dieser Zeit diese Region von intensiven Konflikten erschüttert, über die wir nur sehr schlecht unterrichtet sind. Der erste Grund für unsere Unkenntnis hängt mit dem beinahe vollständigen Verlust der antiken Geschichtsschreibung dieser Zeit zusammen: Vom historischen Werk des Poseidonios von Apameia14 oder des Strabon sind nur geringe Teile erhalten. Das Buch, das Appian den Makedonischen und Illyrischen Kriegen gewidmet hat, ist ebenfalls unvollständig und handelt nicht von Thrakien. Man ist gezwungen, sich mit Notizen ethnographischen Charakters oder den moralischen Reflexionen im 7. Buch der Geographie des Strabon zu begnügen, die das Interesse belegen, das Poseidonios der Region entgegengebracht hat. Die lateinische Geschichtsschreibung für diese Zeit ist so lückenhaft, weil von den Büchern des Livius über diese Jahre nur die periochae oder die Zusammenfassungen später Autoren existieren.15 Tatsächlich kennen wir bis zum Feldzug Sullas so gut wie keine der in Makedonien amtierenden Promagistrate und der Triumphe, die sie erhielten. Die griechische Epigraphik liefert mehrere Informationen über Schwierigkeiten mit den griechischen Städten und den Niederlagen der römischen Armeen. Die Lücken in der literarischen Überlieferung erklären nicht alles: Aus der Sicht Griechenlands oder Roms erscheint Thrakien als ein Randgebiet, das die antiken Historiker nur schlecht kannten und das sie nur im Rahmen von Plünderungszügen in Griechenland behandeln. Es ist bezeichnend, dass die häufigste Erwähnung von Thrakien in dieser Epoche durch den Spartakusaufstand eingeleitet wird, der nur eine indirekte Folge der römischen Intervention auf der Halbinsel darstellt. Diese Kriege, bei denen die Statthalter Makedoniens oft eine defensive Position einnehmen, scheinen in den Machtkämpfen innerhalb der römischen Aristokratie keine Rolle gespielt zu haben.16 Sie erscheinen nur indirekt in den sehr lebhaften politischen Debatten der Zeit. Einer der erhellendsten Texte, der Anklage Ciceros gegen das Kommando des Piso, in Pisonem (der nach unserer Zeit entstand), ist für den Redner nur ein zweitrangiges Argument in einem Angriff, in dem alle Register gezogen werden.
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Unsere Unkenntnis wird noch vergrößert durch die Ungenauigkeit und Unbeständigkeit, welche die Formen der politischen Organisation, die Machtstrukturen und die Kriegspraxis der Thraker in dieser Zeit zu charakterisieren scheinen. Die meisten griechischen Texte benutzen den allgemeinen Namen "Thrakien", der jedoch nie einer Staatsstruktur dieser Zeit entsprach. Einige besser informierte Historiker haben die Namen mehrerer ἔθνη, "Völker" oder "tribus" überliefert, aber es ist sehr schwierig, zwischen großen Völkern, die in mehrere Einheiten untergliedert sein können, kleinen "tribus" und einfachen Clans, die offenbar nur Untergruppen bedeutender Gesamtstämme darstellen, zu unterscheiden. Plinius (nat. hist. IV 40) zählt folglich viele Untergruppen der Bessen auf. Chr. Danov spricht von "Stammesverband", zusammengesetzt aus "Unterstämmen" und "Zweigstämmen", Begriffe, in deren Ungenauigkeit sich die Unsicherheit unserer Kenntnisse ausdrückt. Dieser ausgezeichnete Kenner der thrakischen Verhältnisse stellt fest, dass es umso schwerer ist, eine genaue Karte der Verteilung der antiken Volksgruppen zu erstellen, als unsere sehr lückenhaften Informationen verschiedenen Zeiten entstammen und sich die Gebiete dieser Völker und die politischen Verhältnisse sicher im Laufe der Zeit veränderten. Die Karte, die wir vorschlagen, kann daher nur einen ungewissen und ungenauen Entwurf darstellen (Karte 1). Abgesehen von kurzzeitigen Vereinigungen, die niemals das gesamte thrakische Gebiet betrafen, zur Zeit des Königreichs der Odrysen im 5. und 4. Jahrhundert, später anlässlich der Bildung eines Klientelkönigtums des Römischen Reiches, lag die wahre Macht und die Kriegführung bei den lokalen Anführern. Die Titel und die Machtbereiche dieser Herrscher, deren Autorität anscheinend stets von zahlreichen Rivalen bestritten wurde, sind im Ganzen ebenfalls schlecht bekannt. Man spricht gern von "Königen". Aber Appian (App. civ. IV 10, 75) erwähnt die Frau τινος τῶν βασιλίσκων, deren Mann von Feinden ermordet worden ist. Anderswo tragen diese Anführer weniger glänzende Titel wie Dynasten, reguli oder principes, wie in Ciceros Bericht vom Verrat eines thrakischen Machthabers unter dem Prokonsulat des Piso (Cic. Pis. 84). Das Verschwinden des Makedonischen Königreichs hatte schlimme Konsequenzen für die Thraker. In Fortsetzung der von Philipp II. begonnenen brillanten Politik haben Philipp V. und Perseus sehr wichtige Kontingente dieser Völker (die oft nur sehr allgemein namentlich genannt werden) in die makedonische Kriegsmaschinerie integriert. Dieses massive Anwerben thrakischer Söldner hat im ganzen Land bis an die Donau die Verbreitung zahlreicher Silberstatere Philipps II. verursacht, die Vorbilder für lokale Imitationen waren, später auch von Alexandreiern sowie von Bronzeprägungen der letzten Könige. Daraus erklärt sich die große Zahl der Schatzfunde mit diesen Stücken seit dem Ende des 4. Jahrhunderts, die überall im Land gefunden werden. Die Bildung der Provinz Makedonien hat diesen Rekrutierungen ein Ende bereitet, was diese Krieger veranlasst hat, in Makedonien einzufallen, um sich mit der Waffe in der Hand das Geld zu beschaffen, das sie nicht mehr im ordentlichen Dienst des Königs verdienen konnten. Der Befehl für diese Plünderungszüge stammte von irgendeinem Stammesführer, der die Initiative ergriffen hatte und dessen Namen manchmal erhalten ist. Aber die antiken Historiker und die epigraphische Überlieferung betonen die vielfäl-
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tige Zusammensetzung der Angreifer, was zeigt, dass jeder Kriegsherr nicht nur Männer seines eigenen Stammes anheuerte, sondern auch Abteilungen benachbarter oder abgelegenerer Völker, die es akzeptierten, sich seinem Kommando zu unterstellen. So können Völkerschaften, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bedeutend waren, aber in der Folgezeit einen Niedergang erlebten, am Krieg teilnehmen, ohne genannt zu werden: Dies trifft auf die Triballer zu, die im 4. Jahrhundert sehr gefürchtet waren, aber in anderen Zeiten aus unseren Quellen verschwinden, zweifellos, weil sie von einem auswärtigen Machthaber unterworfen wurden.
Karte 1: Karte der thrakischen Stämme
Aufgrund der Quellensituation können wir die chronologische Abfolge der Ereignisse nur in groben Zügen nachvollziehen.17 Der große Einfall der Skordisker und Maden im Jahr 119 markiert den Beginn einer neuen Epoche, die durch intensive militärische Aktivitäten gekennzeichnet ist. Der Erfolg dieses Einfalls ist bezeugt durch die Inschrift von Lete,18 einem kleinen Dorf im Norden von Thessalonike, welche die verursachten Schäden und den Tod des Prätors Sextus Pompeius erwähnt.
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114 v. Chr. erlitt der Konsul C. Porcius Cato, späterer Prokonsul von Makedonien, auf seinem Marsch eine schlimme Niederlage (συμφορά) durch die Skordisker und ihre Verbündeten (Dio fg. 88; Liv. per. 63). Im folgenden Jahr erhielt der nach Makedonien entsandte Konsul C. Caecilius Metellus für seine Erfolge gegen die Thraker einen Triumph. Er wird später wegen Erpressung in Ausübung seines Kommando verurteilt. Wie Eutrop notiert, beginnen die römische Armeen von diesem Moment an, von Süden ins Innere Thrakien einzudringen, das heißt in das Land der Bessen im mittleren Tal des Hebros (Maritza): Alter autem Lucullus, qui Macedoniam administrabat, Bessis primus Romanorum intulit bellum atque eos ingenti proelio in Haemo monte superavit. Oppidum Uskudamam (= Hadrianopolis), quod Bessi habitabant, eodem die, quo adgressus est vicit, Cabylen cepit, usque ad Dardanium penetravit. Inde multas supra Pontum positas civitates adgressus est. Illic Apolloniam evertit, Callatim, Paerthenopolim, Tomos, Histrum, Burziaonem (= Bizonem) cepit.19 Ein erneuter Einfall, durchgeführt von "Skordiskern, Bessen und anderen Thrakern", wurde im Jahr 109 vom Prokonsul M. Minucius Rufus beendet, der sie nach Thrakien zurückdrängte, wo er ihnen auf dem zugefrorenen Hebros, also im Land der Bessen, eine Schlacht lieferte (Fest. 9, 3). Dieser Sieg brachte ihm einen Triumph und zwei Ehrenstatuen ein, die ihm von der Stadt Delphi20 errichtet wurden. M. Didius, Proquästor im Jahr 101, "beendete das Vagabundieren der Thraker. Marcus Drusus hielt sie innerhalb ihrer Grenzen" (Fest. 9, 2). Weitere Überfälle traten unter der Statthalterschaft des C. Sentius Saturnius zwischen 92 und 88 auf. Die Unruhe in Thrakien wurde durch die Kriegsvorbereitungen des Mithridates, der zahlreiche Bastarner anheuerte (stationiert in der Dobrudscha auf der anderen Seite der Donau) und sich die Unterstützung zahlreicher thrakischer Machthaber sicherte, wieder belebt. So sind anlässlich des Einfalls in Makedonien für die Jahre 89–88 Überfälle erwähnt, an denen thrakische Abteilungen teilnahmen.21 Im Jahr 88 v. Chr. und zweifellos auch im Folgejahr konnte der Statthalter von Makedonien nicht verhindern, dass der thrakische Machthaber Sothimus cruente vastavit; cunctos Macedones fines depopulatus est.22 Auch wenn wir keine genauen Informationen haben, ist anzunehmen, dass Thraker an der Belagerung von Thasos teilgenommen haben. Um diese Plünderungen zu beenden, nutzte Sulla die Atempause, die ihm der Waffenstillstand mit dem König von Pontos im Jahr 85 verschaffte, für eine Strafoperation gegen die Maden und Dentheleten (eher als gegen die Dardaner) sowie gegen die Skordisker23, die sein Legat L. Hortensius fortführte. Die Belagerung von Thasos und die Kampagne Sullas scheinen nach den Daten der Schatzfunde zu urteilen das Ende unserer Prägung gut zu datieren. Nicht dass das Land fortan von den Römern gut kontrolliert worden wäre: Im Jahr 84 gelangte ein neuer Einfall, bei dem sich die Skordisker mit Thrakern verbündeten, bis nach Delphi, wo der Apollontempel in Brand gesteckt wurde.24 Die Operationen setzten sich fort, bis der Krieg in anderem Maßstab vom Dakerkönig Burebista wiederaufgenommen wurde, was
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zeigt, dass sich der Schauplatz der Operationen nach Norden verlagerte. Aber vor allem änderte sich die Finanzierung der Konflikte durch eine zunehmend größere Beteiligung des römischen Denars.
Die Verteilung der Schatzfunde
Die Prägung und Verwendung der Tetradrachmen thasischen Typs lassen sich meiner Meinung nach mit diesen von Rom mit wechselndem Erfolg geführten Kriegen erklären; gleiches gilt auch für weitere parallele Prägungen wie die den thasischen sehr nahe stehenden von Maroneia25, in den Typen der ersten makedonischen Meris, des Aesillas oder der LEG ΜΑΚΕΔΟΝΩΝ.26 Zu den bereits erörterten Argumenten, die für die These sprechen (der Unterschied zu der eigentlichen thasischen Prägung, die Chronologie), kommt die geographische Verteilung der Schatzfunde. Im Unterschied zu den ersten Emissionen sind die Schatzfunde mit Tetradrachmen thasischen Typs ausschließlich im östlichen Teil der Balkanhalbinsel gefunden worden, im Gebiet, wo die Alten die Heimat der Thraker und der Dako-Geten27 lokalisieren: Keiner in Griechenland, nur zwei in Makedonien28, ein isoliertes Exemplar auf der Chalkidike, keiner in Paionien, keiner im Land der Skordisker und Dardaner, während die Kelten und Illyrer regelmäßig mit den thrakischen Kriegen in Verbindung gebracht werden: Es handelt sich folglich um ein typisch thrakisches Phänomen, das nur nördlich der Rhodopen beginnt. Es gibt auch keine Funde bei den Odrysen: Der östlichste Schatzfund stammt aus Adrianopolis-Edirne.29 Sie sind an der Küste sehr selten und keiner stammt aus den griechischen Städten des Schwarzmeergebiets, was bestätigt, dass diese Stücke nicht für den Überseehandel genutzt wurden. Auch stammt kein Fund aus dem Gebiet der Dentheleten, von denen Cicero berichtet, dass sie bis zum Prokonsulat des Piso die treuesten Verbündeten Roms waren. Dagegen kann man im Herzen Thrakiens mindestens 71 Schätze zählen, die man auf einer modernen Karte eintragen kann.30 Die Karte mit den Vergrabungsorten ergibt also ein ganz anderes Verteilungsbild als die nüchterne Aufzählung einer Chronologie der Kampagnen und legt von der Verwicklung der verschiedenen Stämme viel besser Zeugnis ab. In dem so definierten geopolitischen Rahmen muss man die große Streuung der Funde unterstreichen: Sie sind nicht auf die antiken Zentren konzentriert. Sicher ist Thrakien in späthellenistischer Zeit kein urbanisiertes Land, aber man kann auch keine Konzentration auf bestimmte Gebiete feststellen; dies ist eine Garantie für die Zuverlässigkeit der Namen der festgestellten Orte, die keine Zentren des antiken Handels waren. Diese Schatzfunde sind nicht entlang einer Fernhandelsroute verteilt,31 sondern überall im Land zerstreut, an sehr vielen Orten, die man nur auf Karten mit großem Maßstab eintragen kann. Unsere Unkenntnis der historischen Geographie macht die Zuordnung dieser Schatzfunde zu einem bestimmten Volk sehr schwer und die Untersuchung des Geldverkehrs stößt auf große Schwierigkeiten. Ich werde aber den Versuch unternehmen, die Fundor-
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te auf die Karte der thrakischen Völker von Chr. Danov zu übertragen, wobei ich mir der Unsicherheit einer solchen Rekonstruktion wohl bewusst bin: Wie der Autor zu Recht betont,32 sind unsere Informationen ungenügend und auf mehrere Zeiträume verteilt, ohne den lokalen Entwicklungen Rechnung tragen zu können. Die nach unseren Quellen am meisten in die Kriegshandlungen verwickelten Völker sind die Maden und Bessen. Die ersten lebten im mittleren Strymontal,33 nördlich der jetzigen Grenze zu Griechenland. Dort wurde nur ein einziger Schatzfund entdeckt. Dagegen bildet das Gebiet der Bessen, das heißt die Nordseite der Rhodopen, das obere und mittlere Tal des Hebros (Maritza), ab dem Pass, der zur Ebene von Sofia führt, dann die Region von Philippopolis (eine makedonische Gründung, deren Fall selbstverständlich getrennt zu betrachten ist) und das Gebiet des heutigen Stara Zagora bis zur Vereinigung des Hebros mit dem Fluss Tonsos (Tundscha) in HadrianopolisEdirne, mit 16 Schatzfunden eine der beiden fundreichsten Regionen. Die andere starke Konzentration findet sich im Osten, im Tal der Tundscha, in einer Gegend, die im 4. Jahrhundert unter der Herrschaft der Odrysen stand,34 wo 11 Schatzfunde gemacht wurden und auf der anderen Seite im Norden der Bessen. Die Völker, die in der Moderne in dieser Gegend lokalisiert werden, sind die Usdikenser auf der Nordseite des Balkangebirges und in der Donauebene zwischen Oiskos (Iskar) und Althrys (Jantra), bei denen 18 Schatzfunde gemacht wurden, sowie die Großen Koilaleten, die Chr. Danov in der Balkankette zwischen den Bessen und den Krobyzen lokalisiert, was der Gegend des heutigen Veliko Tarnovo und Šumen entspricht, wo sechs Funde gemacht wurden. Je mehr man sich von diesem zentralen Gebiet entfernt, desto mehr verringern sich die Funde. Es gibt nicht mehr als drei in der Ebene von Sofia, wo es schwer ist, den Wohnraum der drei Gruppen genau zu bestimmen, der Serden (von denen der Name der Stadt Serdica stammt), der Treren und der Tilateer. Darüber hinaus hat das viel größere Gebiet der Triballer35 zwischen den Moesiern entlang der Donau und der Ebene von Serdica nur sieben Funde zu bieten, was einer geringen Funddichte entspricht. Eine Überprüfung der Gebiete östlich des Landes der Bessen führt zum gleichen Ergebnis. Es gibt nur zwei Schatzfunde in der Küstenebene, nicht weit von der thrakischen Stadt Develt (nahe dem heutigen Burgas), vier bei den Krobyzen, die im Norden des Balkangebirges lebten, in der Gegend von Šumen, und zwei im Nordosten bei den Geten der Dobrudscha. Noch einmal: Wir sind weder in der Lage, eine genaue historische Karte mit der Verteilung der thrakischen Völker am Beginn des 1. Jahrhundert aufzustellen, noch die Entwicklung ihrer Wohngebiete seit dem 5. Jahrhundert zu verfolgen. Man muss sich im Übrigen davor hüten, den Einfluss einer kriegerischen Aristokratie auf ihre Nachbarn, der Schwankungen unterlag,36 und ihre Fähigkeit, andere ethnische Gruppen zu mobilisieren, mit dem Siedlungsraum eines wahrscheinlich stabileren ἔθνος zu verwechseln. Daher zeigt die Lokalisierung der Schatzfunde, dass deren Vergraben nicht zufällig geschah, sondern dass sie mit einer genauen Geographie korrespondierten: Es erscheint klar, dass die zentrale Zone, die sicher von den Bessen und ihren nördlichen Nachbarn bewohnt wurde, eine wesentliche Rolle im Gebrauch der Tetradrachmen
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thasischen Stils gespielt hat. Wir können diese antiken Informationen über die Rolle der Bessen in diesen Kriegen mit der Chronologie dieser Prägungen vergleichen, um daraus zu schließen, dass diese Münzprägung mit einigen anderen dazu gedient haben, bestimmte thrakische Kriege zu finanzieren. Die Verteilung der Schatzfunde liefert uns eine zweite Information von großem Interesse, nämlich das Verbreitungsgebiet der Tetradrachmen thasischen Typs bei den Völkern nördlich der Donau bis in den Norden des heutigen Rumänien, in Regionen, von denen wir vor der Regierung Burebistas keine Nachricht haben. Man zählt wenigstens 35 Schatzfunde, die in der Donauebene am Fuß der Subkarpaten gefunden wurden, zu denen man die fünf aus der Dobrudscha hinzuzählen muss. Es gibt 22 in den eigentlichen Karpaten zuzüglich einen in Moldavien und 12 in Transsylvanien (davon einer im heutigen Ungarn). Diese beträchtliche Menge an Münzen gibt den seltenen literarischen Angaben größeres Gewicht, die die Daker mit den thrakischen Kriegen in Verbindung bringen:37 Florus (III 4) berichtet, dass 113 v. Chr. die von Drusus verfolgten Skordisker versucht haben, über die Donau zu fliehen; Eutrop (IV 10) zeigt, dass sich die Daker den Barbaren in der Kampagne des Jahres 109 angeschlossen haben. Man kann sich auch vorstellen, dass mit dem allmählichen Vorrücken der römischen Armeen nach Norden einige Besitzer dieser Stücke in Regionen nördlich des Flusses auswichen, die vor den Strafexpeditionen der römischen Legionen in diesen Jahren sicher waren. Andererseits erscheint die Zahl der nördlich der Donau vergrabenen Schätze bedeutender, weil im Süden in moderner Zeit nur die Depots wiedergefunden wurden, die in der Antike der Beutesammlung der Sieger entkommen sind. Diese starke Präsenz von Münzen aus dem Süden zeigt jedenfalls, dass der Fluss kein Hindernis für die Bewegungen der Soldaten bildete. Sie wirft ein deutliches Licht auf die Situation des Landes vor der Staatsgründung Burebistas.
Thasos, die Tetradrachmen thasischen Typs und die thrakischen Kriege
Wir ziehen also den Schluss, dass die Tetradrachmen thasischen Typs als Zahlungsmittel für die thrakischen Kriege gedient haben, die, wie alle Kriege, mit allen Arten von Finanzoperationen verbunden waren. Wir haben dafür keine direkten Belege, aber bestimmte Quellen erlauben es, mehrere Spuren zu verfolgen. Das Tetradrachmon attischen Standards ist das Nominal für die Besoldung von Kriegern par excellence. Auf der Seite der römischen Truppen haben die griechischen Städte sicher Kontingente gestellt, deren Umfang wir nicht kennen, die aber nicht unbedeutend waren.38 Im gegnerischen Lager waren die Thraker seit der Zeit Philipps II. daran gewöhnt, zumindest einen Teil ihres Solds bar zu empfangen, so dass kaum vorstellbar ist, die thrakischen Dynasten hätten sie anheuern können, ohne sie zu bezahlen; aber wir wissen nicht, mit welchen Prägungen. Die diplomatischen Verhandlungen und der eventuelle Anschluss thrakischer Stammesführer waren von finanziellen Zuwendungen begleitet, wie in Pisonem einige Jahre später anprangert. Rom selbst hat thraki-
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sche Hilfstruppen angeheuert. Solche Rekrutierungen sollen bei den traditionellen thrakischen Verbündeten der Römer, wie den Dentheleten, häufig gewesen sein. Allerdings waren die Thraker nicht in zwei deutlich getrennte Lager geteilt und je nach Kampagne, momentaner Interessenslage und wahrscheinlich auch nach dem Stand der Verhältnisse mit den Nachbarn, konnte sich eine Volksgruppe den Römern anschließen oder sich gegen sie entscheiden: So kommt kurz nach unserer Epoche, unter dem Prokonsulat des Piso, einer der Stammesführer der Bessen, eines besonders romfeindlichen Stammes, um Piso Truppen anzubieten, weil er sich die Feindschaft der Dentheleten zugezogen hatte.39 Thrakien bot während dieser Kriegsjahre ein vorteilhaftes Gebiet für Finanzgeschäfte, die reichlich Bargeld erforderten. In den Schatzfunden sind republikanische Denare nur sehr gering mit thasischen Stücken vermischt und die direkte Finanzierung durch Rom muss sehr schwach gewesen sein. Aber andere Prägungen finden Verwendung: Auf der einen Seite makedonische Prägungen, im Namen der ersten Meris oder des römischen Magistraten Aesillas, die Prägung von Maroneia und die Alexandreier der Städte des Schwarzmeergebiets. Unter den großen Griechenstädten an der thrakischen Küste wurden die Münztypen derer benutzt, die im Dritten Makedonischen Krieg und im Krieg gegen Mithridates Roms treueste Verbündete gewesen waren: Maroneia und Thasos, während Abdera und Ainos an diesen finanziellen Kreisläufen nicht beteiligt waren. Anlässlich der thrakischen Feldzüge, die dem Krieg gegen Mithridates vorangingen, bot Thasos einen sicheren Stützpunkt, mit einem aktiven Handelshafen und einem sicheren Hafen für die Kriegsflotten. Diese Einrichtungen wurden 48 v. Chr. anlässlich der Schlacht bei Philippi von den Republikanern genutzt, von denen einige zu den Patronen der Stadt gehörten. Die Insel liegt gegenüber der Mündung des Nestos (der Mesta), dessen Tal die Rhodopen durchbricht und zu den Pässen nach Philippopolis führt, ein kurzer Zugangsweg ins Land der Bessen. Es scheint also sehr wahrscheinlich, dass die thasischen Autoritäten den Römern anlässlich dieser Operationen geholfen haben, indem sie ihnen eine Abteilung thasischer Soldaten oder ein griechisches Hilfscorps (von dem wir nichts wissen) zugeführt haben, das heißt sie waren die Händler und Finanziers gewesen, die üblicherweise Kriegszüge begleiten. Ihre Rolle war so bedeutend, dass sie Münzen schlagen durften und dafür Münztypen aufgriffen, die die Stadt 60 Jahre früher verwendet hatte. Wie ich betont habe, kann man nicht annehmen, dass die Tetradrachmen thasischen Typs Teil der regulären städtischen Prägungen waren. Man kann diese Sonderproduktion mit den athenischen Stephanophoren in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts vergleichen. Die gleichmäßige Steigerung der für dieses Geld gebrauchten Stempel, die einen Höhepunkt im Jahr 100 erreicht,40 entspricht bei weitem weder dem Bedarf der Stadt, noch ihren Ressourcen. Die finanziellen Angelegenheiten dieser Jahre lagen fortan in den Händen von Finanziers und italischen negotiatores, die in Athen mit athenischen Finanziers in Verbindung standen.41 Die thrakische Front musste auf gleiche Weise die Entwicklung gewinnbringender Transaktionen römischer
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und griechischer Finanziers begünstigen, unter denen die Münzen die Thasier auf den ersten Rang brachten. Die ersten Tetradrachmen thasischen Typs sind zweifellos auch auf Anordnung der Thasier, die sich im Lager Roms befanden, geschlagen worden. Wenn man dies festhält, besteht kein Zweifel, dass viele Stücke, die in den Schatzfunden Bulgariens und Rumäniens entdeckt wurden, im Besitz der Feinde Roms waren, als sie vergraben wurden. Die zahlreichen Erfolge der thrakischen Krieger, von denen die Quellen berichten, haben es den Angreifern erlaubt, Beute zu machen, was ihr Ziel war. Aber diese Analyse erklärt weder die barbarischen Prägungen noch zweifelsfrei die Gesamtheit der Tetradrachmen thasischen Typs. Diese Münztypen, die aufgrund ihres Volumens und ihrer Qualität allen am Krieg Beteiligten gut bekannt war, wurden von beiden Seiten verwendet. Die Frage "thasische Prägung oder Imitationen?" scheint mir daher eine komplexe Antwort zu erfordern. Es handelt sich nicht um gewöhnliche Prägungen der Stadt, wie es noch die ersten Emissionen zur Zeit des Dritten Makedonischen Krieges waren. Es sind aber auch nicht nur thrakische Imitationen, wie es sie Ende des 5./Anfang des 4. Jahrhunderts gab.42 Eine gute Anzahl dieser Stücke bezeugt eine sehr spezielle Prägung, die für die Bedürfnisse der thrakischen Kriege von Finanziers geschlagen wurden, die gleichzeitig in ihrer Stadt politisch aktiv waren, aber deren wirtschaftliche Angelegenheiten in enger Beziehung zu den römischen Autoritäten und den negotiatores, teilweise auch zu den Feinden, stand. Dies ist die ganze Vieldeutigkeit einer komplizierten Epoche, in der das Imperium Romanum seine Macht ohne finanzielle Rücklagen in Griechenland ausübte, aber wo die Städte versuchten, daraus den besten Nutzen zu ziehen. Die Gewohnheit, die Metallreserven des Landes für Prägungen zu nutzen, ging nicht verloren, wie nahezu ein halbes Jahrhundert später eine Maßnahme des Brutus zeigt, die ich zitiere, weil es sich um das einzige schriftliche Zeugnis über eine Praxis handelt, deren Bedeutung uns die Münzen enthüllt haben. Brutus verwendete die Schätze, die er von der Witwe eines ermordeten thrakischen Königs erhalten hatte, um Münzen zu schlagen: ἐν δὲ τοῖς θησαυροῖς, εὗρε παράδοξον χρυσίου τι πλῆθος καὶ ἀργύρου. Καὶ τοῦτο μὲν ἔκοπτε καὶ νόμισμα ἐποίει (App. civ. IV 75). Der bestehende Kontrast zwischen der enormen Menge der in Thrakien umlaufenden Tetradrachmen thasischen Typs und der relativen Bedeutungslosigkeit der Stadt Thasos in dieser Zeit ist so erklärlich. Die Sonderrolle dieses Geldes in den Emissionen der Stadt, zu denen sie nach ihren Typen, nicht aber nach ihrer finanziellen Verwendung gehören, die Kürze ihrer Ausgabezeit, die mit Beginn der thrakischen Kriege einsetzt und mit der Schwächung von Thasos zur Zeit der Mithridatischen Kriege endet, die Bedeutung ihrer Verbreitung im Land der Bessen und den Gegenden im Norden, die privilegierten Bande von Thasos mit dem makedonischen Statthalter, ermuntern dazu, in diesen Münzen ein Mittel der Kriegsfinanzierung zu sehen, was uns eine der wichtigsten Informationen über die thrakischen Kriege liefert. Insbesondere werfen diese Münzen ein Licht auf die bedeutende Rolle, die thasische Finanziers in diesem Krieg gespielt haben.
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Ausgewählte Literatur
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Thompson, Margaret: The New Style Silver Coinage of Athens, New York 1961
Anmerkungen
IGCH 234 und 559. Die antiken Quellen schweigen hierüber. 3 Der Ausdruck ist Pouilloux/Dunant (1958) 5–9 entnommen. 4 Ashton (1986) 1–18; Ashton (1995) 1–20. 5 Le Rider (1968) 185–191. 6 Crawford (1985) 131–132. Er fügt hinzu: "it remains unclear why precisely these issues were chosen for imitation". 7 Meadows/Wartenberg (2002) Nr. 265, 256–258. 8 Prokopov (2006). 9 Siehe Anmerkung 5. 10 Siehe die von M. Thompson vorgeschlagenen Daten (IGCH 647, 649, 654, 656, 659 und 975) und nun von A. Meadows in Coin Hoards IX. 11 Gjongecaj/Picard (2000). 12 Prokopov (2006) 14 besteht auf die große Bedeutung dieser Prägungen. Ich kann ihm aber nicht zustimmen, wenn er eine Verwendung von lokalem Metall annimmt. 13 Hdt. VI 46–47. Picard (2006). 14 FGrHist 87. Edelstein/Kidd (1972–1989). 15 Die Livius entnommenen zerstreuten Informationen stammen von Florus, Eutrop, Festus und Orosius. 16 Hinard (2000) Bd. 1, 587 macht eine wichtige Bemerkung über die Bedeutung des Krieges gegen Jugurtha und über die Operationen in Makedonien und Thrakien. 17 Die Frage hat die Aufmerksamkeit jugoslawischer und bulgarischer Historiker verstärkt auf sich gezogen, die manchmal divergierende Thesen über die Verteilung der Völker zwischen Illyrern und Thrakern vorgetragen haben. Neben zahlreichen Hinweisen auf thrakische Völker im Kleinen Pauly hat Chr. Danov zwei Studien vorgelegt: Danov (1976) mit einem soliden Studium der historischen Geographie (98–134) und einer Karte (92–93) sowie Danov (1979). F. Papazoglou (1978) schneidet die Frage aus der Sicht Illyriens an. 18 Syll.³ 700. 19 Eutr. VI 10. Ooteghem (1967); Broughton (1986) Bd. 1 u. 2. 20 Jacquemin (1999) Nr. 183–184. 21 App. Mithr. XIII 15, 69. 22 Obseq.; Oros. 23 Plut. Sulla 23; Eutr. V 7. Laut Papazoglou (1978) ist die Nennung der Dardaner anstelle der Dentheleten falsch. 24 Daux (1936), 392–397, vgl. Euseb. chron. II, p. 133; Plut. Numa 9, 12. 25 Schönert-Geiss (1987), aber die Chronologie und Interpretation sind traditionell. 26 Gaebler (1906) Bd. 1, Nr. 189, Tafel II, 11. Die Datierung ist zu berichtigen. 27 Die historische Geographie dieses Volkes ist noch schlechter bekannt als die der Thraker. Der Namensunterschied dürfte vor allem der zeitlichen Reihenfolge geschuldet sein. 28 Schatzfunde von Makedonien: IGCH 479 und 478, die wahrscheinlich zusammengehören, sowie CH IX, 264.
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Schatzfund von Edirne: IGCH 971: Da die genauen Fundumstände unbekannt sind, ist es unmöglich, den genauen Verbergungsort dieses mit dem Namen einer großen Handelsstadt verknüpften Schatzfundes zu bestimmen. 30 Schwer zu lokalisierenden Funde (in Thrakien und Bulgarien) habe ich beiseite gelassen. 31 Siehe das Studium dieser Routen bei Danov (1976). 32 Danov (1976). 33 Danov (1976) 105–109; ders.: Strymon, in: Der Kleine Pauly, Bd. 5, 1979, 400. Sie sind im Dekret von Lete (Syll.³ 700) erwähnt und mehrfach an der Seite der Skordisker. 34 Die Karte von Chr. Danov weist diese Region den Odrysen zu. Die Heimat der Odrysen befindet sich südlicher, jenseits des Flusses Erginos. Aber diese erscheinen nicht in den Kriegen des ersten Jahrhunderts und es wurde auch kein Schatzfund bei ihnen gefunden. Ich bevorzuge deshalb eine Trennung der zwei Gebiete. 35 Auch hier muss man beachten, dass die Karte notwendigerweise Informationen verschiedener Zeiten einschließt. Die Triballer haben anscheinend seit der Zeit, in der sie gefürchtet waren (im 5. und 4. Jahrhundert vor Chr.), einen starken Niedergang erlebt. Sowohl Strabon (VII 5, 11–12) als auch Cassius Dio (LI 23) stellen den Niedergang der Triballer fest, die von den Autariaten und später von den Bastarnern unterworfen wurden. 36 Dies wird für die Odrysen und Triballer besonders deutlich. 37 Vergleiche Reinach (1910) und Vell. II 8, 3. 38 Im Jahr 88 wurde die Verteidigung von Thasos durch die Stadt und nicht die römischen Truppen gesichert. Das Dekret von Lete (Syll.³ 700) bezeugt die Bedeutung der städtischen Truppen. 39 Cic. Pis. XXXIV 84: Denseletis, quae natio semper oboediens huic imperio. 40 Siehe die Zahlen bei Thompson (1961) für die Emissionen von Dositheos – Charias bis Aropos – Mnasago, die sie 100/99 bis 96/95 datiert. Vergleiche Mørkholm (1984) 29–42. 41 Siehe Habicht (2006) 291–303. 42 Picard (1999).